MODUL 4
Theater-Methoden

Bei der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen (YPWFO) sollten Theatertechniken mehr Wert auf Mitgestaltung, Kreativität und emotionale Sicherheit legen als auf künstlerische Darbietung. Das Ziel ist es, ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem die Teilnehmer zueinander finden, Neues entdecken und sich auf eine Weise ausdrücken können, die für sie persönlich relevant ist.

YPWFO können aufgrund ihres sozialen oder kulturellen Hintergrunds, ihrer Bildung, ihrer Sprache oder ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten auf Hindernisse stoßen. Durch die Förderung von Zusammenarbeit, Verständnis und nonverbaler Kommunikation hilft das Theater dabei, Schwierigkeiten zu überwinden. Durch gemeinsames Geschichtenerzählen und kreatives Schaffen können die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten entdecken, Vertrauen aufbauen und ihr Selbstwertgefühl stärken.
Laut Nicholson, H. (2005) in „Applied Drama: The Gift of Theatre“ bedeutet angewandtes Theater, dass das praktische Theater den Teilnehmenden Mitspracherecht bei ihrer eigenen Entwicklung gibt. Sie werden dazu angeregt, gemeinsam nachzudenken, Dinge auszuprobieren und Bedeutung zu schaffen. Für YPWFO ist dieser partizipative Aspekt besonders wirkungsvoll, da er das Gefühl der Gleichberechtigung und Zugehörigkeit innerhalb der Gruppe stärkt.

Emotionale Sicherheit schaffen
Damit die Theaterarbeit mit YPWFO effektiv ist, ist emotionale Sicherheit unerlässlich. Damit ist gemeint, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Menschen sicher genug fühlen, sich auszudrücken, künstlerische Risiken einzugehen und mit verschiedenen Rollen zu experimentieren, ohne Kritik oder Spott befürchten zu müssen. [15] Um diesen sicheren Raum zu schaffen, brauchst du:
- Gruppenvereinbarungen (wie Respekt für alle Stimmen, Vertraulichkeit, das Recht, sich zurückzuziehen, und keine Wertung) wurden zu Beginn gemeinsam erarbeitet.
- Aufwärmübungen und Kennenlernaktivitäten, die angemessen sind und den Teilnehmenden helfen, sich mit ihrer Stimme, ihrem Körper und der Gruppe wohlzufühlen
- Eindeutige Regeln und Vorgaben, die gegenseitigen Respekt und Verständnis fördern
- Ein unterstützendes Umfeld, das dazu ermutigt, innovative Risiken einzugehen
- Moderatoren, die eine Kultur des Vertrauens fördern, indem sie Verletzlichkeit vorleben (zum Beispiel, indem der*die Moderator*in erzählt, dass er*sie nervös ist, über einen Fehler spricht, den er*sie gemacht hat, sagt, dass er*sie noch lernt, oder als Erster*te eine etwas unbeholfene Übung ausprobiert)
Wenn es richtig gepflegt wird, bietet das Theater ein sicheres, einladendes und ermutigendes Umfeld für Menschen jeden Alters und jeder Fähigkeit, ihre Gefühle zu erkunden und Selbstvertrauen zu entwickeln [16].
Angewandtes Theater
Angewandtes Theater ist ein Oberbegriff für verschiedene Praktiken, bei denen Theater für soziale, pädagogische oder therapeutische Zwecke genutzt wird – wobei anerkannt wird, dass auch traditionelles Theater bilden, zum Nachdenken anregen und Empathie fördern kann. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Theater- und Performance-Techniken, um gesellschaftliche Themen anzusprechen, wobei die Arbeit in nicht-traditionellen Räumen wie Schulen, Gemeindezentren und auf der Straße stattfindet. Anstatt ausgefeilte Aufführungen zu produzieren, bringt das angewandte Theater häufig ausgebildete Moderator*innen mit unerfahrenen Teilnehmenden zusammen, um Diskussionen anzuregen und mögliche Lösungen für Probleme zu erarbeiten. [17]
Theater in der Bildung (TIE)
Das 1965 in Großbritannien entstandene „Theater in der Bildung“ (TIE) nutzt Theater gezielt für pädagogische Zwecke. TIE besteht in der Regel aus Profispielern und Pädagogen, die interaktive, kindgerechte Aufführungen für Schulklassen aufführen. Die Einheiten dauern 30 bis 60 Minuten und sind auf bestimmte Altersgruppen zugeschnitten. [18] Die Inszenierungen behandeln häufig Themen aus dem Lehrplan, moralische Dilemmata oder aktuelle gesellschaftliche Fragen und beziehen das Publikum durch Rollenspiele, Diskussionen und Workshops mit ein. Bei TIE wird großer Wert darauf gelegt, die Aufführung mit konkreten Lernzielen zu verknüpfen.
Prozessdrama
Das Prozessdrama ist ein Lehr- und Lernansatz, bei dem sich der*die Moderator*in und die Lernenden abwechselnd in verschiedenen Rollen einbringen. Das Prozessdrama, das vor allem von Dorothy Heathcote, Gavin Bolton und Cecily O’Neill entwickelt wurde, nutzt improvisiertes Spiel, um Themen, Situationen oder Ideen zu ergründen [19]. Es gibt kein externes Publikum, und eine ausgefeilte Aufführung ist nicht das Ziel; stattdessen schaffen die Spieler gemeinsam eine fantasievolle Umgebung, um Herausforderungen zu analysieren und verschiedene Perspektiven zu erkunden. Um effektive Lernerfahrungen zu ermöglichen, steuert der*die Moderator*in Spannung und Tiefe und leitet gleichzeitig die dramatische Untersuchung [20].
Theater der Unterdrückten (TO)
Augusto Boals „Theater der Unterdrückten“ (TO) nutzt das Theater als Werkzeug, um sozialen und politischen Wandel voranzutreiben. Das Publikum schlüpft im TO in die Rolle der „Zuschauer“ und erkundet, zeigt, analysiert und verändert die Realität, in der es lebt. Zu den wichtigsten Techniken gehören das Forumtheater, bei dem das Publikum Lösungen für Probleme vorschlägt und inszeniert; das Bildtheater, das Tableaus der Unterdrückung schafft und transformiert; und das Unsichtbare Theater, das an öffentlichen Orten aufgeführt wird, um Reaktionen hervorzurufen. Nach dem TO dient das Theater als Übung für sozialen Wandel und konkretes Handeln.
Jede Strategie ist einzigartig, aber alle haben folgende Merkmale gemeinsam:
- Förderung von Kreativität und Selbstentfaltung.
- Der Prozess wird über das Endergebnis gestellt.
- Legen großen Wert auf Zusammenarbeit und Mitwirkung.
- Fördern Selbstreflexion und kritisches Denken.
- Die Leitlinien sind flexibel genug, um verschiedenen Situationen und den Bedürfnissen der Teilnehmenden gerecht zu werden.
Regeln für den Einsatz von Theater bei YPWFO
Fang mit einfachen Aufgaben an, die das Selbstvertrauen schrittweise stärken.
- Verwende statt festgeschriebener Theaterstücke lieber Geschichtenerzählen, Improvisation und Spiele.
- Erlaube den Teilnehmenden, Vorschläge zu machen und den Verlauf der Aktivität mitzugestalten.
- Arbeite mit Themen wie Gemeinschaft, Freundschaft, Respekt und Inklusion, die die Erfahrungen der Teilnehmenden ansprechen.
- Räume nach den Aktivitäten Zeit für Gespräche und Reflexion ein.
- Respektiere das Recht der Teilnehmenden, nur zu beobachten statt mitzumachen, sowie ihre Grenzen.
- Nutze neben der gesprochenen Sprache auch nonverbale Signale (Geräusche, Gesten und Bewegungen).
- Schaffe Vertrauen in der Gruppe, indem du regelmäßig moderieren und Interaktionen fördern tust.
Wenn man es achtsam einsetzt, kann Theater ein Lernumfeld schaffen, das Verständnis und Fantasie miteinander verbindet. Es hilft den Teilnehmenden dabei, Respekt, Empathie und Zusammenarbeit als gelebte Erfahrungen zu erleben und nicht nur als unpersönliche Ideale.
Quellen:
[15] The Drama Teacher. (2024). Social Emotional Learning in Drama. Retrieved from https://thedramateacher.com/social-emotional-learning-in-drama/
[16] Educational Theatre Association. (2024). Drama in Education: The Impact of Theatre on Student Success. Retrieved from https://schooltheatre.org/drama-in-education-the-impact-of-theatre-on-student-success/
[17] Humanities LibreTexts. (2023). Applied Theatre. Retrieved from https://human.libretexts.org/Bookshelves/Theater_and_Film/Theatre_Appreciation_(Pipino)/03:_The_Culture_of_Theatre/3.03:_Applied_Theatre
[18] We Are Gibber. (2020). What is Theatre in Education and How It Supports Education. Retrieved from https://www.wearegibber.com/blog/what-is-theatre-in-education/
[19] Kennedy Center. Process Drama: Taking a Walk in Someone Else’s Shoes. Retrieved from https://www.kennedy-center.org/education/resources-for-educators/classroom-resources/articles-and-how-tos/articles/educators/theater/process-drama-taking-a-walk-in-someone-elses-shoes/
[20] PETAA. Defining Process Drama. Retrieved from https://petaa.edu.au/litportal/litportal/Resources-for-Curriculum/Curriculum-Literacies/The-Arts-Drama/defining_process_drama.aspx
Theatre activities
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MODUL 2
Musik und Bewegung
Einführung in musikbasierte Methoden
Einführung in bewegungsbasierte Methoden
Warum Musik- und Bewegungsmethoden für junge Menschen mit geringeren Chancen geeignet sind
Musik und Bewegung zur Förderung von Inklusion
Leitlinien und Beispiele für Aktivitäten mit Musik- und Bewegungsmethoden
Aktivitäten
MODUL 3
Bildende Kunst

Kontakt
Iuliana Adriana PAVEL (Projektmanagerin)
iuliana.pavel@a4action.ro
A4ACTION – Kulturhaus Antim Ivireanu, Aleea Islaz, Ghermănești, Snagov, Kreis Ilfov, Rumänien, 077170
Von der Europäischen Union kofinanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind jedoch ausschließlich die der Autor:innen und spiegeln nicht notwendigerweise die der Europäischen Union oder der ANPCDEFP wider. Weder die Europäische Union noch die ANPCDEFP können dafür verantwortlich gemacht werden.
Das Projekt wird von folgenden Organisationen durchgeführt: A4ACTION (Rumänien) – Koordinator, Udruga Delta (Kroatien), InterAktion (Österreich), Asociación Espacio Rojo (Spanien) und GAIA Museum Outsider Art (Dänemark).


