Sinnesgedicht – Synästhesie in sechs Zeilen

Die Teilnehmenden füllen einen kurzen sensorischen Fragebogen aus, der synästhetische Assoziationen weckt – Farben, die nach etwas klingen, Texturen, die eine Erinnerung wecken, Gerüche, die ein Gefühl vermitteln – und verwandeln diese Antworten in ein kurzes Gedicht. Anschließend trägt jeder sein Gedicht von einem markierten Feld auf dem Boden vor und hält dabei Augenkontakt mit dem Publikum, bis der Applaus verstummt.

THEMA

Kreativer Ausdruck, Präsenz und Darbietung

SCHWIERIGKEIT

Fortgeschritten

GRUPPENGRÖßE

8–20 Teilnehmende

ALTER

16 +

DAUER

60–90 Minuten

Ziele

  • Kreatives Schreiben und poetischen Ausdruck durch sensorische Assoziationen fördern
  • Präsenz, Augenkontakt und körperliche Stille bei der Darbietung üben
  • Den Zusammenhang zwischen Sinnen, Sprache und emotionalem Gedächtnis erkunden
  • Selbstvertrauen aufbauen, um eigene kreative Werke vor Publikum zu präsentieren

Material

  • Fragebögen zur Wahrnehmung (vorab vorbereitet), Stifte, Bodenklebeband oder Marker, um einzelne Felder für die Durchführung abzugrenzen

Überblick

Die Teilnehmenden füllen einen kurzen sensorischen Fragebogen aus, der darauf abzielt, synästhetische Assoziationen hervorzurufen – Farben, die nach etwas klingen, Texturen, die an einen Moment erinnern, Gerüche, die eine Emotion wecken. Aus diesen Antworten als Ausgangsmaterial verfasst jeder Teilnehmende ein kurzes Gedicht. In der Performance-Phase liest jede Person ihr Gedicht von einem bestimmten Feld auf dem Boden vor, hält dabei Blickkontakt mit dem Publikum und bleibt an Ort und Stelle, bis der Applaus verklungen ist. Die Aktivität verbindet kreatives Schreiben mit Performance-Praxis und stärkt so Präsenz, Verletzlichkeit und Ausdruckskraft.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Einführung (5 Min.): Stell das Konzept der Synästhesie vor – wenn ein Sinn Assoziationen mit einem anderen auslöst (eine Farbe, die wie etwas klingt, ein Geräusch, das eine Textur hat). Erkläre, dass der Fragebogen die Teilnehmer dazu einladen wird, dieses Gebiet zu erkunden.
  2. Sinnesfragebogen (15 Min.): Verteile den Fragebogen. Beispielfragen: Welche Farbe klingt am lautesten? Welche Textur erinnert dich an eine Erinnerung? Bei welchem Geruch fühlst du dich sicher? Welcher Klang hat eine Farbe? Welche Emotion hat einen Geschmack? Welcher Klang beschreibt deine Kindheit? Die Teilnehmenden antworten frei und schnell – nach dem ersten Instinkt, nicht nach einer Analyse.
  3. Das Gedicht schreiben (20 Min.): Anhand ihrer Antworten aus dem Fragebogen als Ausgangsmaterial schreiben die Teilnehmenden ein kurzes Gedicht in beliebiger Form – es muss weder reimen noch einer bestimmten Struktur folgen. Es kann so lang oder kurz sein, wie es sich richtig anfühlt. Ermutige sie, sich an die Sinnesbilder zu halten, anstatt sie zu erklären.
  4. Vorbereitung der Aufführung (5 Min.): Markiere einzelne Quadrate auf dem Boden – eines pro Teilnehmende. Erkläre, dass jede Person in ihrem Feld stehen bleibt, vor dem Beginn Augenkontakt mit dem Publikum herstellt, ihr Gedicht vorliest und dann regungslos in ihrem Feld verbleibt, bis der Applaus verklungen ist. Die Stille nach dem Gedicht ist Teil der Darbietung.
  5. Darbietungen (15–25 Min.): Jede Teilnehmende trägt ihr Gedicht der Reihe nach vor. Der Rest der Gruppe fungiert als Publikum. Die Moderator*innen ermutigen zu aufmerksamem, respektvollem Zuschauen. Nach den Darbietungen folgt eine kurze Gruppendiskussion.

Nachbesprechung und Bewertung:

Fragen zur Reflexion:

  • Wie war es, eher aus den Sinnen heraus zu schreiben als aus Ideen oder Argumenten?
  • Wie hat es sich angefühlt, vorzusprechen und dabei Augenkontakt mit dem Publikum zu halten?
  • Was ist dir an den Gedichten der anderen Teilnehmenden aufgefallen – was hat dich überrascht?
  • Was hat die Übung darüber verraten, wie du die Welt mit deinen Sinnen erlebst?

Beobachte zur Auswertung, wie sich die Teilnehmenden auf den Schreibprozess einlassen, wie präsent sie während der Darbietung sind und inwieweit die Gruppe die Fähigkeit hat, einander aufmerksam und respektvoll zuzuhören.

Moderationstipps:

  • Bereite den sensorischen Fragebogen im Voraus vor – probier ihn selbst aus, um zu prüfen, ob die Fragen echte Bilder hervorrufen.
  • Versichere die Teilnehmenden, dass es hier keine „gute“ oder „schlechte“ Poesie gibt – nur ehrliche Antworten.
  • Zeig zuerst selbst, wie das Vortragsformat aussieht: Stell dich in ein Quadrat, nimm Augenkontakt auf, lies vor und bleib danach still stehen.
  • Erinnere das Publikum an seine Rolle: aktive, respektvolle und großzügige Aufmerksamkeit.

Variationen:

  • Für Teilnehmende mit Sprachbarrieren: Erlaube, dass das Gedicht Wörter aus ihrer Muttersprache enthält oder dass stattdessen Bilder und Zeichnungen verwendet werden.
  • Für fortgeschrittenere Gruppen: Probiert doch mal gemeinsame Gedichte aus, die aus je einer Zeile bestehen, die jeder Teilnehmende beisteuert.
  • Lässt sich mit der „Storytelling“-Aktivität (sinnliche Erkundung durch Tasten und Riechen) zu einer zweiteiligen Einheit kombinieren.

Disclaimer:
Der Synästhesie-Fragebogen kann persönliche Erinnerungen und Emotionen wecken – das Schreiben und Teilen des Gedichts ist immer freiwillig, und die Teilnehmenden können ihre Arbeit für sich behalten. Die abschließende Darbietung (im Quadrat stehen, Augenkontakt, Stille) ist eine Einladung, keine Verpflichtung: Jede*r Teilnehmende, der*die lieber vom Platz aus vorliest, sich vom Moderator*in vorlesen lässt oder ganz auf die Darbietung verzichtet, nimmt voll und ganz teil. Sprich vor der Darbietungsrunde kurz mit der Gruppe und erinnere sie daran, dass es auch eine Form der Teilnahme ist, anderen aufmerksam zuzusehen.

Theatre activities

Contact

Iuliana Adriana PAVEL (project manager)

iuliana.pavel@a4action.ro
A4ACTION – Antim Ivireanu Culture House, Islaz Alley, Ghermănești, Snagov, Ilfov District, Romania, 077170


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