Was du beachten solltest, bevor du loslegst – Moderationshinweise

Damit sich alle so gut wie möglich in die Aktivitäten einbezogen fühlen, wollen wir sichere und „mutige“ Räume schaffen, in denen sich die Jugendlichen sicher genug fühlen, sie selbst zu sein, und mutig genug, sich einzubringen, ihre Komfortzone zu verlassen und sich frei auszudrücken, ohne Angst davor zu haben, beurteilt zu werden. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, künstlerische Methoden zu erkunden. Um solche Räume zu schaffen, müssen wir als Moderator*innen jedoch das Umfeld und unseren Moderationsansatz sorgfältig auf die Bedürfnisse jeder Gruppe abstimmen. Inklusion beginnt nicht mit der Aktivität selbst, sondern damit, wie wir die Teilnehmenden willkommen heißen, wie wir kommunizieren und wie wir einen Raum schaffen, in dem jede Person uneingeschränkt, sicher und authentisch teilnehmen kann.

Im Folgenden haben wir uns auf die wichtigsten Aspekte konzentriert, die du bei der Vorbereitung kreativer Aktivitäten mit Teilnehmenden mit geringeren Chancen berücksichtigen solltest, insbesondere mit solchen mit Behinderungen, mit Migrant*innen- oder Geflüchteten-Hintergrund oder aus ländlichen Gebieten.

Bei der Arbeit mit Jugendlichen, insbesondere mit Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen, ist es sehr wichtig, dass du auf ihre körperliche und emotionale Sicherheit achtest. Zum Schutz der Jugendlichen gehört es, klare Grenzen zu setzen, Vertraulichkeit zu wahren und Schaden zu verhindern, indem du wachsam bist und auf Risiken reagierst. Das bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen sich Jugendliche geschützt und respektiert fühlen und sich ihrer Rechte bewusst sind. (UNICEF, o. J.)

Empfehlungen:

  • Erstelle gemeinsam mit den Teilnehmenden klare Gruppenvereinbarungen, damit jeder weiß, was respektvolle Teilnahme bedeutet
  • Definiere klare Rollen und schaffe ein Unterstützungssystem
  • Informiere die Teilnehmenden über ihre Rechte: sich sicher zu fühlen, sich aus einer Aktivität zurückzuziehen, wenn sie sich unwohl fühlen, und nur so viel preiszugeben, wie ihnen angenehm ist
  • Sorge für körperliche Sicherheit im Raum und für die Barrierefreiheit von Wegen, Materialien und Aktivitäten
  • Achte auf Anzeichen von Unbehagen, Ausgrenzung oder Not
  • Biete bei Bedarf zusätzliche professionelle psychologische Unterstützung an, indem du eine Person benennst, die für den Schutz zuständig ist (es wird empfohlen, dass diese Person nicht zum Organisationsteam gehört)

Der Einsatz künstlerischer und ausdrucksstarker Methoden in der Jugendarbeit kann viele Unsicherheiten und das Gefühl auslösen, nicht gut genug zu sein. Deshalb ist es sehr wichtig, einen sicheren und mutigen Raum zu schaffen, in dem sich die Jugendlichen frei entfalten können.

Was ist ein sicherer Raum?

Ein Raum, in dem sich die Jugendlichen körperlich und emotional sicher fühlen können – ein Raum ohne Urteile, Ausgrenzung oder Verletzungen. (Council of Europe, 2020)

Aber was ist ein mutiger Raum?

Es ist ein Raum, der die Jugendlichen dazu einlädt, ihre Komfortzone zu verlassen, Neues zu erkunden und frei zu experimentieren – in dem Wissen, dass die Gruppe sie unterstützt und ihnen diesen Raum ohne Vorurteile zur Verfügung stellt.

Um solche Räume zu schaffen, solltest du auf Folgendes achten:

  • Verwende inklusive Sprache und vermeide Annahmen über Hintergründe, Fähigkeiten oder Identitäten
  • Erstelle gemeinsam Richtlinien, die respektvolles Verhalten und Vertraulichkeit definieren
  • Lade zur Teilnahme ein, ohne zu drängen oder zu zwingen (biete die Möglichkeit zum „Opt-out“ an)
  • Betone, dass es bei kreativer Arbeit kein Richtig oder Falsch gibt und der Fokus auf dem Prozess liegt, nicht auf dem Endergebnis
  • Biete verschiedene Möglichkeiten zur Teilnahme an, soweit es die gewählte Methode zulässt – mündlich, schriftlich, visuell, durch Bewegung, still oder sogar über digitale Medien –, um unterschiedlichen Komfortniveaus und Kommunikationsstilen gerecht zu werden

Viele junge Menschen mit geringeren Chancen haben möglicherweise Erfahrungen mit Migration, Vertreibung, Diskriminierung, Ausgrenzung, Verlust, Gewalt oder anderen Formen von Trauma gemacht. Ein trauma-informierter Ansatz bedeutet, davon auszugehen, dass ein Trauma vorhanden sein könnte, auch wenn es nicht sichtbar ist. Wir konzentrieren uns dabei jedoch nicht auf das Trauma selbst, sondern darauf, wie wir damit umgehen (Valgiusti, 2023):

  • Denk daran, dass ein Trauma beeinflussen kann, wie sich ein junger Mensch einbringt
  • Vermeide Praktiken oder Situationen, die Stress auslösen könnten (laute Geräusche, Druck, Wettbewerb, Themen wie Gewalt, Krieg usw.)
  • Biete, wann immer möglich, Wahlmöglichkeiten, Vorhersehbarkeit und emotionale Sicherheit

Das bedeutet:

  • Beginne mit einfachen Grounding- oder Check-in-Aktivitäten, bevor du zu tiefergehenden Erkundungen übergehst – das hilft den Teilnehmenden, sich präsent und emotional vorbereitet zu fühlen
  • Halte die Struktur der Einheit klar und konsistent
  • Vermeide Aktivitäten, bei denen persönliche Geschichten erzählt werden müssen, es sei denn, die Jugendlichen entscheiden sich selbst dafür
  • Achte auf Körperkontakt, den persönlichen Raum und sensorische Auslöser
  • Erlaube den Teilnehmenden, eine Aktivität zu verlassen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen

Eine traumainformierte Moderation ermöglicht es Jugendlichen, mehr Kontrolle über ihre Teilnahme zu spüren, was Vertrauen, Autonomie und emotionales Wohlbefinden stärkt. (Saferworld et al., 2025)

Die Aktivitäten in dieser TOOLBOX sind eher auf den Prozess als auf das Endergebnis ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen der eigene Ausdruck, das Ausprobieren verschiedener Methoden, Materialien und Medien, die Zusammenarbeit im Team sowie gemeinsame Erfahrungen.

Es ist sehr wichtig, dass du als Moderator*in deinen Gruppen von Anfang an klarmachst, dass es nicht darum geht, perfekte Kunst zu schaffen, sondern vielmehr darum, zu erkunden und zu experimentieren – und dass es dabei kein Richtig oder Falsch gibt.

Das hilft den Teilnehmenden, sich zu entspannen und den kreativen Prozess zu genießen

Der Workshop-Raum ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung und Durchführung kreativer Workshops, und du solltest ihm noch mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn du mit benachteiligten Jugendlichen arbeitest, insbesondere mit solchen mit Behinderungen. Wähle nach Möglichkeit einen Ort, der Inklusion fördert:

  • Stelle sicher, dass der Raum barrierefrei ist (Rampen, Aufzüge, Stühle, Türbreite, barrierefreie Toiletten)
  • Achte auf überfordernde Reize wie grelles Licht oder laute Geräusche
  • Denk an Bewegungsfreiheit – gibt es genug Platz, damit sich die Teilnehmenden frei bewegen können?
  • Schaffe einen ruhigen Bereich für diejenigen, die vielleicht eine Pause brauchen oder sich nicht wohl dabei fühlen, an einer Aktivität teilzunehmen.
Die Gestaltung des Raums unter Berücksichtigung dieser Aspekte ist Teil des Universal Design for Learning (CAST, 2018), das dazu beitragen kann, eine herzlichere und einladendere Atmosphäre für vielfältige Teilnehmende mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu schaffen.

Wir haben die Aktivitäten unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Materialien und Budget konzipiert, daher sind die meisten kostengünstig, leicht zu beschaffen oder laden sogar dazu ein, recycelte Materialien zu verwenden. Bei der Arbeit mit Jugendlichen mit unterschiedlichen Bedürfnissen solltest du jedoch auf einige kleine Details achten:

  • Stell Materialien in verschiedenen Formaten bereit (Großdruck, taktile Oberflächen, kontrastreiche Farben, leichter von Hand zerreißbar usw.)
  • Biete Alternativen für Teilnehmende an, die keine Schere oder scharfe Gegenstände benutzen können
  • Klär im Voraus ab, ob Teilnehmende sensorische Empfindlichkeiten haben (z. B. gegenüber Texturen, Geräuschen, Gerüchen)
  • Stell sicher, dass alle Materialien und Hilfsmittel für Teilnehmende mit körperlichen, sensorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen zugänglich sind
  • Frag regelmäßig nach, ob jemand Hilfe oder Anpassungen benötigt

Contact

Iuliana Adriana PAVEL (project manager)

iuliana.pavel@a4action.ro
A4ACTION – Antim Ivireanu Culture House, Islaz Alley, Ghermănești, Snagov, Ilfov District, Romania, 077170


Co-funded by the European Union. Views and opinions expressed are however those of the author(s) only and do not necessarily reflect those of the European Union or the ANPCDEFP. Neither the European Union nor the ANPCDEFP can be held responsible for them.


The project is conducted by the following organisations: A4ACTION (Romania) – coordinator, Udruga Delta (Croatia), InterAktion (Austria), Asociación Espacio Rojo (Spain) and GAIA Museum Outsider Art (Denmark).

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