Den Ballon fallen lassen – Präsenz, Sehnsucht, Integration

In drei aufeinander aufbauenden Phasen bewegen sich die Teilnehmenden von einer spielerischen Gruppenimprovisation mit einem imaginären Luftballon über persönliche Reflexion zu drei Fragen: Was willst du wirklich? Was hält dich davon ab? Was kannst du dagegen tun? – die anhand kurzer Szenen zu zweit erarbeitet werden – bis hin zu einer geführten Meditation. Der Bogen zwischen Spiel, Hinterfragung und Stille lässt Erkenntnisse an die Oberfläche kommen, ohne dass der Druck besteht, sie erklären zu müssen.

THEMA

Präsenz, Selbstbefragung und verkörperte Integration

SCHWIERIGKEIT

Mittel

GRUPPENGRÖßE

6-24 Teilnehmende

ALTER

16 +

DAUER

90–120 Minuten

Ziele

  • Präsenz, Spontaneität und kreatives Spiel innerhalb der Gruppe fördern
  • Die Teilnehmenden dabei unterstützen, durch körperorientierte Theatermethoden persönliche Wünsche, Hindernisse und mögliche Handlungsweisen erkunden
  • Reflexion und Selbstwahrnehmung durch erfahrungsorientiertes Lernen anregen
  • Einen sicheren Raum für Ausdruck und Experimente ohne Wertung schaffen
  • Die Erfahrung durch eine geführte Meditation zu verarbeiten, um emotionale Erdung und einen Abschluss zu fördern

Material

  • Genügend Platz zum Bewegen;
  • Papier und Stifte für jede Teilnehmende;
  • Optional echte Luftballons (als Barrierefreiheits-Alternative für Phase 1);
  • Optional leise Hintergrundmusik und eine bequeme Unterlage (Yogamatten, Decken) für Phase 3.

Überblick

Eine dreiteilige, eigenständige Aktivität, die die Teilnehmenden von körperlicher Spontaneität über persönliche Selbstreflexion auf der Grundlage der Transaktionsanalyse hin zu kontemplativer Integration führt. In Phase 1 wird eine spielerische Übung mit imaginären Luftballons (angelehnt an Improvisation und Bildtheater) genutzt, um Präsenz, Kreativität und Gruppenbewusstsein zu stärken. In Phase 2 sind die Teilnehmenden eingeladen, sich mit drei Leitfragen auseinanderzusetzen – Was willst du wirklich? Was hält dich davon ab? Was kannst du dagegen tun? – zunächst schriftlich und anschließend in kurzen theatralischen Szenen zu zweit. Phase 3 endet mit einer geführten Meditation, in der der Körper das integrieren kann, was durch das Spiel und die Selbstreflexion an die Oberfläche gekommen ist. Der Bogen von Spiel → Selbstreflexion → Stille ist selbst die Methode.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Phase 1 – Der Ballon (20–30 Minuten)

Begrüße die Teilnehmenden und erkläre kurz den Ablauf der Einheit: Spiel → Erkundung → Stille. Betone, dass jede Phase freiwillig ist und dass die Teilnehmenden jederzeit aussteigen können.

  • Lade die Teilnehmenden ein, sich auf einer freien Fläche aufzustellen. Bitte sie, kurz die Augen zu schließen und sich vorzustellen, sie hielten einen entleerten Ballon in der Hand. Sie sollen pantomimisch darstellen, wie sie ihn aufheben, aufblasen und ihm eine bestimmte Größe, Farbe und Form geben.
  • Jede*r Teilnehmende bläst seinen imaginären Ballon auf und stellt ihn einem Partner oder der Gruppe vor – Farbe, Größe, Beschaffenheit, Persönlichkeit. Das regt die Fantasie und die Verspieltheit an.
  • Die Teilnehmenden lassen ihren imaginären Ballon nun ständig in der Luft schweben – mit jedem beliebigen Körperteil –, während sie gleichzeitig einfache, vom*der Moderator*in gestellte Gruppenaufgaben erledigen: Stell dich drei Personen vor; finde ein gemeinsames Interesse mit jemandem; bewegt euch gemeinsam durch den Raum. Die Herausforderung, den Ballon in der Luft zu halten, sorgt für Verspieltheit und zeigt, wie der Verstand mit konkurrierenden Anforderungen umgeht.

Phase 2 – Die drei Fragen (45–60 Minuten)

Schreib die drei Leitfragen an die Tafel oder auf ein Flipchart:

  • Was willst du wirklich?
  • Was hält dich davon ab, es zu bekommen?
  • Was kannst du dagegen tun?

Erkläre, dass diese Fragen aus der Transaktionsanalyse stammen und als praktisches Hilfsmittel dienen, um Reflexion und Eigeninitiative zu fördern. Sie sind keine Therapieform – die Teilnehmenden sind die Experten für ihre eigenen Antworten.

Die Teilnehmenden sollten ihren imaginären Ballon während der gesamten Übung stets in der Luft schweben lassen.

Anschließend bilden die Teilnehmenden Paare. Sie stellen und beantworten abwechselnd nacheinander jede Frage. Die Person, die die Frage stellt, sollte sie mehrmals wiederholen, bevor die Rollen getauscht werden, damit ihr Partner tiefer in die Materie einsteigen und ehrlicher antworten kann.

Phase 3 – Meditation (15–20 Minuten)

Lade die Teilnehmenden ein, sich bequem hinzusetzen oder hinzulegen. Dimme das Licht, wenn möglich. Führe die Meditation langsam durch, mit langen Pausen zwischen den Sätzen. Nachfolgend findest du einen Vorschlag für einen Ablauf, den*die Moderator*in anpassen kann:

„Such dir eine bequeme Position, entweder sitzend oder stehend, und schließe sanft die Augen oder lass deinen Blick weichen. Atme langsam ein … und aus, richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper und nimm wahr, wie du dich in diesem Moment fühlst, ohne zu versuchen, etwas zu verändern. Stellt euch nun den Ballon vor, den ihr während der Übung in der Hand hattet – seine Farbe, seine Form, wie er sich bewegte. Nehmt wahr, wie es sich angefühlt hat, ihn in der Luft zu halten: die Anstrengung, die Aufmerksamkeit, vielleicht sogar die Ablenkung. Lasst den Ballon langsam näher zu euch kommen und lasst ihn sanft zur Ruhe kommen – ihr müsst ihn nicht mehr in der Luft halten. Atme tief ein. Stell dir nun vor, du lässt den Ballon los und siehst zu, wie er davonschwebt, immer höher und höher, bis er verschwindet. Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf deinen Atem, auf deinen Körper und auf den Raum um dich herum. Frag dich sanft: Was willst du wirklich? Du musst keine perfekte Antwort finden – nimm einfach wahr, was in dir auftaucht. Atme noch einmal tief ein … und atme langsam aus. Wenn du bereit bist, öffne sanft deine Augen.“

Nachbesprechung und Bewertung:

Fragen zur Reflexion:

  • Wie hat es sich angefühlt, von der Verspieltheit über das Erkunden hin zur Stille zu gelangen?
  • Welche Phase fiel dir am leichtesten? Welche war am schwierigsten? Warum?
  • Was ist dir am Ballon aufgefallen – wie hat sich deine Aufmerksamkeit dafür im Laufe der drei Phasen verändert?
  • Als dein Partner die Frage zum dritten oder vierten Mal wiederholte, hat sich da etwas in deiner Antwort verändert?
  • Wie hat es sich angefühlt, den Ballon in der Meditation loszulassen?

Moderationstipps:

  • Respektiere den Ablauf. Kürze Phase 1 nicht ab, um schnell zu Phase 2 überzugehen – das Spiel ist es, was den Raum für die Erkundung sicher macht.
  • In Phase 2 ist die Wiederholung jeder Frage entscheidend. Widerstehe der Versuchung, schon bei der ersten Antwort aufzuhören; erst durch die Wiederholung wandelt sich die Antwort von einer gewohnheitsmäßigen zu einer authentischen.
  • Schütze den Raum in Phase 2. Die Methode klärt Wünsche; sie ist keine Therapie. Wenn das Thema eines Teilnehmenden schwer wiegt, nimm es kurz zur Kenntnis, bestärke ihn in seiner Eigenständigkeit und fahre behutsam fort.
  • Sprich in Phase 3 langsam. Lass Stille zu. Viele Moderator*innen sprechen zu schnell, wenn sie ein Meditationsskript zum ersten Mal vorlesen.
  • Die Teilnahme ist in jeder Phase freiwillig. Sich zurückzuziehen ist eine legitime Form der Teilnahme.
  • Beende die Meditation pünktlich. Die Meditation ist das Ende, kein Zwischenstopp vor weiterer Aufarbeitung.

Varianten:

  • Kurzversion (45–60 Min.): Phase 1 + eine Runde mit den drei Fragen + kürzere Meditation. Eignet sich gut als Ein- oder Ausklang eines längeren Schulungstages.
  • Echte Luftballons als Ersatz: Für Teilnehmende, denen es schwerfällt, einen imaginären Gegenstand in der Hand zu halten (sehr junge Teilnehmende, manche Teilnehmende mit kognitiven Beeinträchtigungen), stellst du für Phase 1 echte Luftballons bereit.
  • Mehrsprachige Gruppen: Die Partner in Phase 2 können Fragen stellen bzw. antworten in ihrer Muttersprache, wenn das sinnvoll ist.
  • Barrierefreiheit: Phase 1 im Sitzen für Teilnehmende, die nicht lange stehen können. Meditation mit offenen oder halb geöffneten Augen für alle, denen es unangenehm ist, die Augen zu schließen. Für Teilnehmende, denen das Wort „Meditation“ unangenehm ist, nenn Phase 3 „geführte Ruhepause“ oder „Körpercheck“.
  • Vertiefende Frage: In längeren oder erfahreneren Gruppen füg eine vierte Frage hinzu – „Wer bist du, wenn du hast, was du willst?“ –, um die sich entwickelnde Identität zu erkunden.

Disclaimer:

Auch wenn diese Aktivität keine Therapie ist, kann die Befragung mit den drei Fragen emotional bedeutsames Material ans Licht bringen. Moderator*innen sollten darauf vorbereitet sein, starke Gefühle einfühlsam zu begleiten, Teilnehmende bei Bedarf an weitere Hilfsangebote zu verweisen und absolute Grenzen beim Austausch zu respektieren. Die Teilnahme an jeder Phase muss immer freiwillig bleiben; dränge niemals darauf. Die Methode basiert auf der Transaktionsanalyse als Rahmenkonzept zum Verständnis persönlicher Handlungsfähigkeit – sie ist kein Ersatz für eine Therapie für Teilnehmende, die mit unbewältigten Traumata, akuten psychischen Krisen oder einschneidenden Lebensereignissen leben.

Theatre activities

Contact

Iuliana Adriana PAVEL (project manager)

iuliana.pavel@a4action.ro
A4ACTION – Antim Ivireanu Culture House, Islaz Alley, Ghermănești, Snagov, Ilfov District, Romania, 077170


Co-funded by the European Union. Views and opinions expressed are however those of the author(s) only and do not necessarily reflect those of the European Union or the ANPCDEFP. Neither the European Union nor the ANPCDEFP can be held responsible for them.


The project is conducted by the following organisations: A4ACTION (Romania) – coordinator, Udruga Delta (Croatia), InterAktion (Austria), Asociación Espacio Rojo (Spain) and GAIA Museum Outsider Art (Denmark).

Privacy Preference Center