Labyrinth-Theater
Alle Teilnehmenden gehen allein (oder in ganz kleinen Gruppen) durch eine Abfolge von umgestalteten Räumen (drinnen oder draußen), wo sie auf Schauspieler, Objekte und sorgfältig arrangierte Sinnesreize treffen. Die Performance findet eher durch das persönliche Erleben statt als auf einer Bühne, wodurch jeder Teilnehmende zum Protagonisten seiner eigenen Reise wird.


THEMA
Sinneserkundung, Selbstreflexion, Initiation, Wahrnehmung und persönliche Sinnstiftung durch immersives Theater.

SCHWIERIGKEIT
Fortgeschrittene

GRUPPENGRÖßE
10-25 Teilnehmende + Publikum

ALTER
16+

DAUER
90–120 Minuten, kann aber auch als großes Event über mehrere Tage hinweg stattfinden
Ziele
- Die Teilnehmenden aus ihrer alltäglichen Wahrnehmung und ihrem gewohnten Denkmuster herausholen.
- Ein tiefes sensorisches Bewusstsein und körperliche Erfahrungen anregen.
- Zum persönlichen Erzählen und zur inneren Reflexion anregen.
- Themen wie Identität, Vertrauen, Entscheidungsfreiheit und Veränderung erkunden.
- Sinnvolle, individuelle Lernerfahrungen schaffen, die über verbale Erklärungen hinausgehen.
Material
- Nicht-Theater-Räume (Zimmer, Flure, Wälder, Wege im Freien)
- Einfache Bühnenbildelemente und symbolische Objekte
- Augenbinden, Stoffe, strukturierte Materialien
- Lichtquellen (gedämpftes Licht, Kerzen, LEDs)
- Klangelemente (Stimmen, Umgebungsgeräusche, Musik)
Überblick
Das Labyrinth-Theater ist eine interaktive, ortsspezifische und kontextorientierte Theaterform, bei der jede*r Teilnehmende die Aufführung individuell erlebt. Anstelle einer traditionellen Bühne findet die Aufführung in nicht-theatralischen Räumen (drinnen oder draußen) statt, die in einen festgelegten Parcours oder Rundgang verwandelt werden. Die Teilnehmenden bewegen sich einzeln oder in kleinen Gruppen durch eine Abfolge von Räumen und Begegnungen und treten dabei direkt mit Schauspielern, Objekten und Sinnesreizen in Kontakt.
Das Sensory Labyrinth Theatre (SLT) ist eine spezielle Weiterentwicklung dieser Methode, die vom Theatr Cynefin (Nordwales, Großbritannien) entwickelt wurde und von der Arbeit des kolumbianischen Theaterregisseurs Enrique Vargas aus den frühen 1990er Jahren inspiriert ist. Im Laufe der Zeit wurde die Methode von verschiedenen Organisationen in ganz Europa, darunter BIVEDA und Epsilon III, weiterentwickelt und an unterschiedliche kulturelle und pädagogische Kontexte angepasst.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Zweck und Thema festlegen:
Einigt euch auf das Hauptthema des Labyrinths (z. B. Identität, Vertrauen, Inklusion, Lebensentscheidungen, Erinnerung). Wählt 1–3 Schlüsselfragen aus, die die Teilnehmenden auf ihrer Reise begleiten sollen.
2. Wähle den Ort aus und lege die Route fest:
Wähle einen nicht-theatralischen Raum (drinnen oder draußen), der sicher in eine festgelegte Route umgestaltet werden kann. Lege eine klare Abfolge von „Treffpunkten“ (Stationen) fest und entscheide, in welcher Reihenfolge die Teilnehmenden diese erleben sollen.
3. Gestalte die Stationen und Begegnungen:
Erstelle für jede Station kurze Szenen oder Interaktionen. Entscheide, was jede Begegnung hervorrufen soll (Emotion, Reflexion, Entscheidung, sensorischer Fokus). Halte die Begegnungen einfach, klar und im Einklang mit der Gesamtdramaturgie.
4. Plane sensorische Elemente und Hilfsmittel zur Desorientierung:
Entscheide, wie die Sinne eingeschränkt werden (oft durch Einschränkung des Sehvermögens) und welche Hilfsmittel eingesetzt werden (Dunkelheit, Augenbinden, akustische Signale, taktile Objekte, Geruch, Temperatur). Achte darauf, dass diese Elemente sinnvoll sind und nicht überwältigend wirken.
5. Schaffe die Schwelle und den Wartebereich:
Richte eine „Wartezone“ ein, in der die Teilnehmenden ankommen und sich von der Alltagsrealität lösen. Gestalte einen eindringlichen Schwellenmoment, der den Eintritt in die Labyrinthwelt signalisiert (z. B. eine rituelle Einweisung, ein geheimnisvoller Ruf, ein geführter Einlass oder ein symbolisches Objekt).
6. Rollen zuweisen und das Team einweisen:
Bestimme einen Moderator*in, der*die den Zeitablauf und den Fluss der Teilnehmenden steuert. Weise jeder Station Akteure/Moderatoren zu und kläre deren Rolle, Grenzen und den emotionalen Ton, den sie annehmen sollen. Weise das gesamte Team in Sachen Sicherheit, Einwilligung und den Umgang mit Reaktionen der Teilnehmenden ein.
7. Bereite Szenografie, Requisiten, Ton und Beleuchtung vor:
Richte jede Station mit minimalen, aber bewusst ausgewählten Materialien ein. Teste Beleuchtung und Lautstärke, um eine stimmige Atmosphäre und sichere Bewegungsabläufe zu gewährleisten. Verwende symbolische Objekte, die zur Interpretation einladen, anstatt die Bedeutung direkt zu erklären (zum Beispiel kann ein Seil Einschränkung oder Verbindung darstellen, ein Spiegel kann zur Selbstreflexion anregen, ein Stuhl kann zu einem Ort des Wartens oder der Autorität werden, oder ein Stück Stoff kann ein Gefühl von Schutz oder Übergang erzeugen).
Es kann auch hilfreich sein, ein paar konkrete Elemente einzubauen, um das Erlebnis zu lenken. Zum Beispiel lässt sich eine Rolle durch eine einfache Handlung, einen kurzen Satz, eine wiederholte Bewegung oder eine kleine Interaktion mit den Teilnehmenden aufbauen.
Du kannst auch verschiedene Möglichkeiten ausprobieren, die Sinne anzusprechen, wie zum Beispiel das Sehvermögen einzuschränken (z. B. mit einer Augenbinde) oder mit Tastsinn, Geräuschen oder Gerüchen zu arbeiten – je nachdem, welche Atmosphäre du schaffen möchtest.
8. Führe einen vollständigen Testdurchlauf durch:
Mache mindestens eine komplette Probe mit dem Team. Überprüfe das Timing, die Übergänge, die Verständlichkeit der Anweisungen und die emotionale Intensität jeder Station. Bitte gehe auf alle Sicherheitsbedenken ein, wie Hindernisse, rutschige Böden oder unklare Wegbeschreibungen.
9. Informiere das Publikum vor dem Betreten:
Erkläre den Ablauf in einfachen Worten. Betone Einwilligung, Vertraulichkeit und das Recht, jederzeit eine Pause einzulegen oder aufzuhören. Frage nach Allergien, Mobilitätseinschränkungen, sensorischen Empfindlichkeiten oder allem, was die Sicherheit beeinträchtigen könnte.
10. Beginne die Reise (Einlass der Teilnehmenden einzeln):
Schicke die Teilnehmenden (das Publikum) einzeln (oder in kleinen Gruppen) ins Labyrinth, normalerweise alle 5–10 Minuten. Halte den Fluss gleichmäßig, damit sich die Teilnehmenden im Inneren nicht begegnen.
11. Achte während der Erfahrung auf einen gleichmäßigen Ablauf und emotionale Sicherheit:
Der*die Moderator*in überwacht Zeit und Abstände. Die Schauspieler an den Stationen passen sich alen Teilnehmenden an, bleiben dabei aber innerhalb der vereinbarten Grenzen. Halte eine Person als emotionale Unterstützung bereit, falls ein Teilnehmender eine Pause braucht oder das Labyrinth verlassen muss.
12. Beende die Erfahrung und leite den Ausklang ein:
Sorge für eine klare Abschlussstation oder ein Abschlussritual, das den Teilnehmenden hilft, in die normale Realität zurückzukehren. Biete Wasser, einen ruhigen Ort und Zeit zum Besinnen an, bevor die Gruppendiskussion beginnt.
13. Moderiert die Nachbesprechung und Reflexion:
Führt eine strukturierte Reflexion mit offenen Fragen durch. Bietet verschiedene Möglichkeiten zur Reflexion an: Sprechen, Schreiben, Zeichnen und stille Reflexion. Ermutigt die Teilnehmenden, nur das zu teilen, womit sie sich wohlfühlen.
14. Sammelt Feedback und dokumentiert die Erkenntnisse:
Sammelt kurzes schriftliches Feedback oder führt eine kurze Bewertungsrunde durch. Dokumentiert die Beobachtungen der Moderator*innen und Schauspieler*innen (was gut funktioniert hat, was herausfordernd war und was beim nächsten Mal angepasst werden sollte).

Nachbesprechung und Bewertung:
Reflexion ist unerlässlich und sollte nach der Erfahrung stattfinden, entweder einzeln oder in der Gruppe. Die Teilnehmenden können sich mündlich äußern, schreiben, zeichnen oder schweigen. Zu den Leitfragen gehören:
- Was ist dir nach der Reise im Gedächtnis geblieben?
- Was hast du während der Erfahrung empfunden?
- Gab es einen Moment, der etwas aus deinem eigenen Leben widerspiegelte?
Bei der Auswertung geht es vor allem um die Tiefe des Engagements, die emotionale Wahrnehmung und die Fähigkeit, die Erfahrung mit persönlicher Bedeutung zu verknüpfen – und nicht um den verbalen Ausdruck.
Moderationstipps:
Bereite das Labyrinth sorgfältig vor und probiere den Ablauf im Voraus aus. Erkläre den Ablauf klar und deutlich und weise darauf hin, dass die Teilnehmenden jederzeit das Recht haben, anzuhalten. Sorge für eine sichere, ruhige Atmosphäre. Die Akteure sollten flexibel und einfühlsam bleiben, anstatt einem festen Drehbuch zu folgen. Stelle sicher, dass während der gesamten Erfahrung und danach emotionale Unterstützung zur Verfügung steht.

Varianten:
- Labyrinth drinnen oder draußen
- Eher theatralische oder eher auf die Sinne ausgerichtete Formate
- Einsatz von Audioführung statt Live-Darstellern
- Anpassung für Museen, Kulturerbestätten oder Bildungsräume
- Kürzere Versionen mit weniger Stationen und einem zentralen Thema

Disclaimer:
Das Labyrinth-Theater kann starke emotionale Reaktionen hervorrufen. Die Teilnahme muss freiwillig sein. Vermeide es, ohne angemessene Vorbereitung und Unterstützung Inhalte anzusprechen, die emotionale Reaktionen auslösen könnten. Achte jederzeit auf persönliche Grenzen, Vertraulichkeit und emotionale Sicherheit.
Theatre activities
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Contact
Iuliana Adriana PAVEL (project manager)
iuliana.pavel@a4action.ro
A4ACTION – Antim Ivireanu Culture House, Islaz Alley, Ghermănești, Snagov, Ilfov District, Romania, 077170
Co-funded by the European Union. Views and opinions expressed are however those of the author(s) only and do not necessarily reflect those of the European Union or the ANPCDEFP. Neither the European Union nor the ANPCDEFP can be held responsible for them.
The project is conducted by the following organisations: A4ACTION (Romania) – coordinator, Udruga Delta (Croatia), InterAktion (Austria), Asociación Espacio Rojo (Spain) and GAIA Museum Outsider Art (Denmark).


